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Obdachlosigkeit in Bottrop
Zur Situation der Obdachlosen im Ruhrgebiet
Bochum, 11.07.2001
tMenschen auf der Straße
Zahlungsunfähig - Wohnung weg
RUB-Studierende: Zur Situation der Obdachlosen im Ruhrgebiet
Auf die Straße geschickt hat Prof. Dr. Hans-Dieter Schwind (Lehrstuhl für Kriminologie, Strafvollzug und
Kriminalpolitik, RUB) seine Studierenden: Für ein Seminar haben sie in Teams zehn Revierstädte zum Thema „Obdachlose,
Nichtsesshafte und Straßenkinder in Großstädten“ untersucht - Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen,
Hamm, Oberhausen, Recklinghausen und Wuppertal.
Herausgekommen ist dabei ein sehr differenziertes Bild der Obdachlosigkeit im Ruhrgebiet: Die Bochumer Studierenden
fanden heruntergekommene Unterkünfte und fehlende Unterstützung für Frauen und Jugendliche - dabei wächst
deren Anteil unter den Obdachlosen. Aus vielen Städten berichten sie aber auch Erfreuliches: Hilfsprogramme retten
zahlreiche „Problem-Kandidaten“ vor dem Abrutschen auf die Straße. Andere Stadtverwaltungen überlassen die
Verantwortung für die Wohnungslosen den Kirchen und privaten Einrichtungen, die einen großen Teil der Hilfsangebote
tragen.
Fristlos gekündigt
Seit 1996 ist die Wohnungslosenzahl in NRW um 52,5% gesunken, das macht sich auch in den Revierstädten
bemerkbar. Entwarnung gibt es aber nicht - noch immer verlieren Menschen ihr Dach über dem Kopf, häufig, weil der
Vermieter fristlos gekündigt hat. Kündigungsgrund ist meist Zahlungsunfähigkeit - z.B. durch Arbeitslosigkeit - oder
mietwidriges Verhalten. In Essen ist die Zahl der Wohnungslosen entgegen dem landesweiten Trend seit 1988 von
rund 750 auf 1.390 (1999) gestiegen - der Frauenanteil hat sich dabei verzehnfacht. Die Stadtverwaltungen könnten durch
ein rechtzeitiges Eingreifen in vielen Fällen das Abrutschen in die Obdachlosigkeit verhindern, viele Städte bemühen sich
in dieser Hinsicht. Ein vorbildliches Beispiel ist Duisburg:
Der „Wohnungsnotfallplan“ von 1996 (Landesprogramm „Wohnungslosigkeit vermeiden - dauerhaftes Wohnen sichern“)
hat hier für einen Rückgang der Obdachlosenzahl um fast 90% gesorgt. Das Konzept: Eine „Zentrale Fachstelle“ berät
Hilfsbedürftige und koordiniert Wohnungsvermittlungen. Die Kommune übernimmt unter Umständen sogar Mietschulden;
Wohnungsanbieter und Amtsgerichte informieren die Fachstelle unverzüglich über Räumungsklagen oder Mietrückstände, damit
die Hilfe rechtzeitig kommt.
Frauen auf der Straße
Einen wesentlichen Anteil an der Betreuung der Wohnungslosen haben die kirchlichen und privaten Einrichtungen (z.B.
Caritas, Diakonie, Verein Suppenküche/Bochum). Vor allem die nicht-städtischen Einrichtungen bieten vielfältige Hilfe an,
so z.B. in Essen: Übernachtungsmöglichkeiten, Verpflegung,
Duschgelegenheiten und sozialen Kontakt - oder auch ärztliche Versorgung durch das „Arztmobil“, das täglich in
der Innenstadt steht (ähnlich wie das „Medi-Mobil“ in Wuppertal). „Die Insel“ und das „Café Schließfach“ sind
Betreuungsangebote speziell für Frauen - was besonders wichtig ist, denn Frauen lehnen eine gemischte Unterbringung
aus Angst vor Belästigungen durch die Männer häufig ab. In einigen Städten fehlen diese speziellen Angebote:
In Gelsenkirchen gibt es keine Obdachlosenunterkunft für
Frauen, in Bochum bietet das Christopherushaus Unterstützung für wohnungslose Männer, die nicht mehr ohne fremde Hilfe am
Leben in der Gemeinschaft teilnehmen können - eine vergleichbare Einrichtung für Frauen gibt es jedoch nicht.
Kinder auf der Straße
Alkoholsucht ist häufig auch Ursache für Obdachlosigkeit, Prostitution kann eine Folge sein - so begeht beispielsweise
ein Großteil der Wuppertaler Straßenkinder
Beschaffungsdelikte, um den Drogen- und Alkoholkonsum zu finanzieren. „Die Stadt verschließt ihre Augen vor der
bestehenden Problematik und lässt die Kids mit ihren Problemen im Stich“, so Dirk Bönschen, ehrenamtlicher
Streetworker vom Allgemeinen Hilfskreis. Dabei gibt es auch Hilfsangebote speziell für diese junge Zielgruppe - z.B.
eine Übernachtungsmöglichkeit in der Jugendschutzstelle des städtischen Jugendamtes in Trägerschaft des Caritasverbandes
in Wuppertal-Barmen. Wohnungslosigkeit ist also kein „Erwachsenen-Problem“: In Bochum leben nach Schätzungen von
Streetworkern bis zu 30 Jugendliche auf der Straße, in Dortmund waren 1999 von rund 190 Wohnungslosen 15% Kinder
und Jugendliche.
Begegnung in der Innenstadt
Die Öffentlichkeit begegnet den Wohnungslosen oft in der Innenstadt, wenn sie „Bodo“ oder ähnliche
Obdachlosen-Zeitschriften verkaufen. Der Verkauf ist für die Obdachlosen ein Schritt in Richtung „geregeltes Leben“, denn
sie gehen einer Beschäftigung nach und behalten einen Teil des Erlöses. Allerdings kann die Begegnung mit Passanten
auch zu Ärger führen: immer dann, wenn die Wohnungslosigkeit mit aggressiver Bettelei, Diebstählen und anderen
Übergriffen verbunden ist - meist Beschaffungskriminalität.
Prominentes Beispiel hierfür war bis vor kurzem die Situation am Essener Hauptbahnhof. Aber auch die anderen
Revierstädte haben ihre „Szene“, in Recklinghausen ist es z.B. der Marktplatz. Geschäftsleute sehen das häufig gar
nicht gern - Beispiel CentrO Oberhausen: Obdachlose Punks haben hier keinen Zutritt.
Weitere Informationen
Die Studierenden haben kurze Dossiers zur Situation der Obdachlosen in den einzelnen Revierstädten zusammengestellt.
Informationspapiere können beim Lehrstuhl für Kriminologie angefordert werden:
Prof. Dr. jur. Hans-Dieter Schwind, Ruhr-Universität Bochum
Lehrstuhl für Kriminologie, Strafvollzug und Kriminalpolitik
Tel.: 0234/32 25 245, Fax: 0234/32 14 328,
e-mail: LS.Schwind@jura.ruhr-uni-bochum.de
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